Zwischen Protestzug und Straßenfest: Eine Kritik an Form, Wirkung und politischer Strategie der heutigen Friedensbewegung.
Die Umzüge und Kundgebungen der Friedensbewegung rufen die Bilder des rheinischen Straßenkarnevals auf. In Köln, Düsseldorf und Mainz stehen die Menschen schon auf den Straßen, der Zug wird erwartet, sie freuen sich, weil sie wissen, was kommt – mit „Helau“ und „Alaaf“ der Aufruf zur Lebensfreude, keine Botschaft, kein weiterer Appell.
Im Berliner Umzug für den Frieden gehen die Menschen durch die Straßen und erwarten, dass die Passanten auf dem Bürgersteig die Parolen vernehmen und der Aufforderung zum Mitgehen folgen, die im Lärm der Musik der nächsten Lautsprecher untergeht.
Das politische Potential der Friedenspolitik privatisiert und verrauscht
Das Bild des Umzugs ist das einer selbstgenügsamen, selbstbezüglichen Aktion, von deren Gehalt und Intentionen so gut wie nichts nach außen dringt und wirkt.
Im Gegenteil: Handelt es sich um eine Friedensdemonstration, um eine Manifestation gegen den Krieg? Der ohrenbetäubende Lärm einer Vielzahl unablässig rhythmisch bearbeiteter Trommeln – der Instrumente, die seit Jahrtausenden den Takt des Todesmarschs der Krieger geben und nun erneut junge Menschen in die Todesschwadronen gegen Russland einwerben – führt die Menschenschlange an; fehlt noch die Feldpfeife.
Ein martialisch auftretender Friedensumzug, in sich geschlossen durch Abstoßung mittels Lärm, verwirrt die Passanten, erschreckt die Kinder.
Von den rollenden Plattformen der Kleinlastwagen herab Gesang und Vortrag, die zu verstehen das Mitlaufen erfordert, als könne schon ein erhaschtes Wort dazu motivieren. Die Melodien und Worte werden übertönt von den Lautsprechern einige Meter nebendran, verhallen, ohne Echo in den Gesichtern der zufälligen Passanten. Anders die Fahnen einiger Parteien, deren Embleme ausreichen, den ganzen Aufzug einer unliebsamen Partei zuzurechnen, so, wie es die Propaganda eingetrichtert hat.
Der Aufzug ist vielfältig, räumlich und thematisch distrahiert, jeder fügt seine Parole ein, die Deutschlandflagge und andere nonverbal, im chorischen Rufen und in Einzelvoten per Megaphon…
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