Irgendwann gibt es keine Ausreden mehr

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Berlin. Wieder eine Friedensdemonstration. Wieder Menschen, die trotz Gegenwind auf die Straße gegangen sind. Wieder starke Reden für Diplomatie, Völkerrecht und Frieden.

Und wieder dieselbe Frage: Wo sind wir alle?

Seit Jahren hören wir dieselben Erklärungen: „Bringt doch nichts.“ – „Ich habe keine Zeit.“ – „Ich unterstütze euch im Herzen.“ – „Ich bin nicht der Typ für Demos.“ Jeder mag für sich gute Gründe haben. Doch irgendwann müssen wir uns ehrlich fragen, ab wann diese Gründe nicht mehr tragen. Wir erleben eine Zeit, in der Milliarden in Aufrüstung fließen, über Wehrpflicht diskutiert wird und Politiker Deutschland auf Kriegstüchtigkeit einschwören. Wenn Frieden wirklich das wichtigste Thema unserer Zeit ist, warum spiegelt sich das nicht auf unseren Straßen wider?

Natürlich verändert eine einzelne Demonstration nicht die Welt. Aber Politik reagiert selten auf das, was Menschen denken. Sie reagiert auf das, was Menschen tun. Wer schweigt, wird schnell als Zustimmung wahrgenommen. Deshalb reicht es nicht, Friedensbeiträge zu liken, Videos zu teilen oder sich im privaten Kreis aufzuregen. Das kann ein Anfang sein, ersetzt aber keine sichtbare Präsenz im öffentlichen Raum.

Und ja, auch wir als Friedensbewegung müssen uns hinterfragen. Wir müssen moderner werden, kreativer und neue Menschen erreichen. Aber wir dürfen die Verantwortung nicht allein bei den Organisatoren suchen. Sie liegt bei uns allen. Wer nicht nach Berlin fahren kann, hat deshalb noch lange keinen Grund, gar nichts zu tun. Dann sollten wir vor Ort regelmäßige Aktionen aufbauen – Mahnwachen, Infostände, Kundgebungen oder Friedensgespräche. So wie Sportvereine feste Trainingstermine haben oder Parteien ihre regelmäßigen Stammtische pflegen, braucht auch die Friedensbewegung verlässliche Termine, die mit der Zeit zu einer Selbstverständlichkeit werden. Nicht einmal im Jahr, sondern Woche für Woche oder Monat für Monat. Nur so entstehen Sichtbarkeit, Vertrauen und eine Bewegung, die wächst.

Wir nähern uns einem Punkt, an dem ausbleibende Beteiligung immer schwerer zu rechtfertigen ist. Nicht, weil jeder demonstrieren muss, sondern weil Frieden, Freiheit und Demokratie keine Selbstläufer sind. Sie leben davon, dass wir bereit sind, Verantwortung zu übernehmen – sichtbar, friedlich und beharrlich.

Vielleicht werden spätere Generationen einmal fragen: „Ihr habt doch gesehen, wohin sich alles entwickelte. Warum wart ihr so wenige?“

Unsere Antwort sollte nicht lauten: „Wir waren im Herzen dabei.“

Sie sollte lauten: „Wir sind aufgestanden. Wir waren sichtbar. Und wir haben unseren Teil dazu beigetragen.“

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