Warum der Möchtegern-Widerstand so kolossal gescheitert ist

Warum der Möchtegern-Widerstand so kolossal gescheitert ist

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Der größte Irrtum vieler Widerstandsbewegungen war nie ihre Analyse. Es war ihr Menschenbild.

Man glaubte, wer einmal erkannt hat, wie Politik, Medien, Wirtschaft oder Macht funktionieren, werde zwangsläufig handeln. Doch genau das ist nicht passiert. Die vergangenen Jahre haben etwas anderes gezeigt: Erkenntnis verändert den Menschen nicht automatisch. Sie verändert zunächst nur seinen Wissensstand. Handeln beginnt erst dort, wo Erkenntnis Konsequenzen hat. Genau an dieser Schwelle ist ein großer Teil des sogenannten Widerstands gescheitert.

Aus einer Bewegung wurde nach und nach eine Informationsgemeinschaft. Man sammelte Artikel, Videos, Studien und Kommentare. Man leitete sie weiter, kommentierte sie, bestätigte sich gegenseitig und fühlte sich dadurch engagiert. Psychologisch ist das leicht zu erklären. Unser Gehirn belohnt bereits die Beschäftigung mit einem Problem. Wer sich intensiv informiert, erlebt das Gefühl, bereits einen Beitrag geleistet zu haben. Dieses Gefühl ist jedoch eine Illusion. Es beruhigt das Gewissen, ohne die Wirklichkeit zu verändern.

Die sozialen Medien haben diese Entwicklung noch verstärkt. Beiträge werden überwiegend in Gruppen geteilt, in denen die meisten dieselben Ansichten vertreten. Dort entstehen Reichweite und Aktivität nur scheinbar. Tatsächlich kreisen dieselben Informationen immer wieder durch dieselben Netzwerke. Es entsteht ein geschlossenes System gegenseitiger Bestätigung. Man fühlt sich als Teil einer großen Bewegung, obwohl außerhalb dieser Blasen oft kaum jemand erreicht wird. Informationsaustausch wird mit gesellschaftlicher Wirkung verwechselt.

Hinzu kam ein zweiter Irrtum: Viele glaubten, Widerstand bestehe vor allem darin, Missstände zu benennen. Missstände zu erkennen ist wichtig. Aber Kritik allein verändert keine Verhältnisse. Sie beschreibt sie nur. Wer jahrelang dieselben Analysen wiederholt, ohne daraus konkrete Schritte abzuleiten, produziert irgendwann keine Aufklärung mehr, sondern Wiederholung. Aus Erkenntnis wird Gewohnheit. Aus Empörung wird Routine.

Psychologisch wird es an diesem Punkt interessant. Menschen überschätzen regelmäßig ihre eigene Handlungsbereitschaft. Solange Handeln theoretisch bleibt, halten sich viele für mutig. Erst wenn Zeit investiert, Verantwortung übernommen oder persönliche Nachteile in Kauf genommen werden müssen, zeigt sich, wie belastbar eine Überzeugung tatsächlich ist. Genau hier trennt sich Interesse von Engagement.

Viele wollten Veränderung, aber möglichst ohne eigene Veränderungen. Sie wollten Freiheit, solange sie nichts kostete. Sie wollten Frieden, solange andere ihn sichern. Sie wollten einen politischen Wandel, ohne den eigenen Alltag wesentlich anzupassen. Das ist kein moralisches Urteil, sondern eine Beobachtung menschlichen Verhaltens. Der Mensch vermeidet Unsicherheit. Er schützt seine Bequemlichkeit. Er verschiebt Verantwortung gern auf spätere Zeitpunkte oder auf andere Menschen.

Ein weiteres Problem war der Verlust gemeinsamer Struktur. Statt verlässlicher Zusammenarbeit entstanden immer neue Diskussionen über Strategien, Persönlichkeiten und den angeblich besseren Weg. Kritik ist notwendig. Aber Kritik, die dauerhaft gemeinsames Handeln ersetzt, wird destruktiv. Wer jede Entscheidung endlos diskutiert, muss am Ende keine Verantwortung für ihre Umsetzung übernehmen.

Auch der Wunsch nach schnellen Erfolgen spielte eine Rolle. Gesellschaftliche Veränderungen entstehen selten innerhalb weniger Monate. Sie brauchen Ausdauer, Verbindlichkeit und Geduld. Viele Bewegungen zerbrechen jedoch, wenn der große Durchbruch ausbleibt. Dann wechseln Menschen zur nächsten Initiative, zum nächsten Kanal oder zur nächsten Hoffnung. Das Ergebnis ist ein ständiger Neuanfang ohne langfristigen Aufbau.

Vielleicht liegt die eigentliche Niederlage aber noch tiefer. Viele Widerstandsbewegungen haben sich fast ausschließlich mit dem Verhalten der Mächtigen beschäftigt und viel zu wenig mit dem Verhalten der eigenen Reihen. Sie analysierten Regierungen, Medien und Institutionen bis ins Detail, fragten aber kaum, warum Menschen trotz ihrer Erkenntnisse so selten ins Handeln kommen. Damit übersahen sie den entscheidenden Faktor.

Der Mensch ist nicht nur Opfer von Manipulation.

Er ist auch Meister der Selbsttäuschung.

Er nennt seine Untätigkeit Geduld.

Er nennt seine Angst Vorsicht.

Er nennt seine Bequemlichkeit Strategie.

Und er nennt das Teilen von Beiträgen oft bereits Widerstand.

Vielleicht ist genau das die unbequeme Erkenntnis. Der größte Gegner gesellschaftlicher Veränderung ist nicht allein eine Regierung, eine Partei oder ein Mediensystem. Es ist die menschliche Neigung, Erkenntnis für ausreichend zu halten und Verantwortung so lange aufzuschieben, bis andere handeln.

Wirklicher Widerstand beginnt nicht mit einer Meinung.

Er beginnt mit einer Entscheidung.

Mit der Entscheidung, Verantwortung zu übernehmen, vor Ort sichtbar zu werden, Strukturen aufzubauen, Zeit zu investieren, Kritik auszuhalten und trotz Unsicherheit konsequent zu handeln.

Erst dort verlässt Erkenntnis den Kopf.

Und erst dort beginnt Veränderung.

Die große Kapitulation

Eine Abrechnung mit einem Widerstand, der nie einer war

Ich habe in den letzten zwei Jahren etwas gelernt, das ich anfangs selbst nicht wahrhaben wollte.

Der größte Gegner jeder Veränderung sitzt nicht in Parlamenten. Nicht in Ministerien. Nicht in den Medien. Er sitzt im Menschen selbst.

Ich habe Menschen erlebt, die jede politische Entwicklung bis ins kleinste Detail analysieren konnten. Sie kannten historische Zusammenhänge, wussten über Machtstrukturen, Kriege, Lobbyismus, Propaganda und wirtschaftliche Interessen Bescheid. Sie konnten stundenlang reden. Sie konnten jeden Politiker zerlegen, jede Nachricht analysieren und jedes Narrativ entlarven.

Und dann kam der Moment, in dem sie selbst hätten handeln müssen.

Plötzlich war keine Zeit mehr.

Plötzlich gab es wichtigere Termine.

Plötzlich war das Wetter schlecht.

Plötzlich musste der Garten gemacht werden.

Plötzlich war Urlaub.

Plötzlich der Geburtstag.

Plötzlich der Partner.

Plötzlich die Familie.

Plötzlich die Arbeit.

Plötzlich alles.

Nur nicht das, wovon sie jahrelang behauptet hatten, es sei das Wichtigste überhaupt.

Da habe ich verstanden, woran dieser sogenannte Widerstand wirklich gescheitert ist.

Nicht an Polizei.

Nicht an Gerichten.

Nicht an den Medien.

Nicht an der Politik.

Er ist an der Bequemlichkeit seiner eigenen Leute gescheitert.

Was sich Widerstand nennt, besteht heute zu einem erschreckend großen Teil aus Menschen, die Beiträge weiterleiten. Sie schicken Videos herum, teilen Artikel, posten empörte Kommentare und bewegen Informationen im Kreis. Immer dieselben Themen. Immer dieselben Blasen. Immer dieselben Menschen, die sich gegenseitig bestätigen, wie recht sie doch haben.

Sie nennen das Aufklärung.

Ich nenne es digitale Selbstbefriedigung.

Man fühlt sich aktiv, obwohl man den ganzen Abend nur auf einen Bildschirm gestarrt hat.

Man hält sich für mutig, weil man den zweihundertsten Beitrag über dieselbe Entwicklung geteilt hat.

Man nennt sich Widerstand, obwohl man seit Jahren nicht einmal den eigenen Marktplatz betreten hat.

Das ist kein Widerstand.

Das ist Beschäftigungstherapie für das Gewissen.

Noch bitterer wurde diese Erkenntnis für mich im Persönlichen.

Dasselbe Muster begegnet einem nämlich nicht nur in der Politik.

Es begegnet einem in Beziehungen.

Menschen reden von Liebe, solange sie nichts kostet.

Sie reden von Loyalität, solange sie bequem ist.

Sie reden von Ehrlichkeit, solange sie keinen Konflikt auslöst.

Sie reden von Zusammenhalt, solange keine Entscheidung verlangt wird.

Kaum wird es anstrengend, beginnt das große Ausweichen.

Dann werden Gefühle verwaltet.

Versprechen relativiert.

Verantwortung verschoben.

Und am Ende findet jeder eine Erklärung dafür, warum gerade jetzt leider nicht der richtige Zeitpunkt sei.

Genau so funktionieren auch viele politische Bewegungen.

Sie lieben die Idee des Widerstands.

Aber sie hassen seinen Preis.

Sie wollen dazugehören.

Sie wollen sich als kritisch erleben.

Sie wollen sich gegenseitig erzählen, wie wach sie sind.

Aber sie wollen nicht riskieren, dass ihr eigenes Leben dadurch komplizierter wird.

Das ist die eigentliche Tragödie.

Der Mensch belügt sich nicht einmal bewusst.

Er macht etwas viel Gefährlicheres.

Er glaubt sich selbst.

Er nennt seine Feigheit Vernunft.

Seine Bequemlichkeit Strategie.

Seine Untätigkeit Geduld.

Seinen Rückzug Realismus.

Und seine Angst verkauft er sich als kluge Vorsicht.

Dabei ist die Wahrheit viel einfacher.

Die meisten Menschen wollen Veränderung.

Aber nur, wenn andere sie herbeiführen.

Sie wollen Freiheit.

Aber bitte ohne Verantwortung.

Sie wollen Frieden.

Aber bitte ohne persönliches Engagement.

Sie wollen eine bessere Gesellschaft.

Aber möglichst, ohne den Fernseher früher auszuschalten.

Ich habe deshalb aufgehört, Menschen nach ihren Worten zu beurteilen.

Mich interessiert nicht mehr, was jemand weiß.

Nicht, welche Bücher er gelesen hat.

Nicht, welche Kanäle er verfolgt.

Nicht, welche Reden er hält.

Mich interessiert nur noch eine Frage:

Was hat dein Wissen in deinem Leben verändert?

Wenn die Antwort lautet: nichts.

Dann war es keine Erkenntnis.

Dann war es Unterhaltung.

Vielleicht ist genau das die härteste Erkenntnis der letzten Jahre.

Der sogenannte Widerstand ist vielerorts nicht an seinen Gegnern gescheitert.

Er ist an Menschen gescheitert, die glaubten, Erkenntnis sei bereits Engagement.

Nein.

Erkenntnis ist der erste Zentimeter.

Handeln beginnt beim zweiten.

Und genau diesen zweiten Schritt gehen erschreckend wenige.

Der Rest redet.

Seit Jahren.

Störung und Wirkung

4 Kommentare zu „Warum der Möchtegern-Widerstand so kolossal gescheitert ist“

  1. Avatar von Christian
    Christian

    Na, da muss ich doch nen Kommenrar zu schreiben.
    Wie kommst du darauf, der Widerstand sei gescheitert? Der Widerstand ist da und lebt und liebt. Vielleicht nicht so, wie du es gerne hättest, aber er ist da. Es sind die Menschen, die begriffen haben, dass hier etwas schief läuft und dieses Wissen immer wieder auch ins Aussen transportieren, nicht duch Aktiionen, sondern durch vorleben. Im Stillen.
    Wer meinst du zu sein?
    Der Widerstandsüberflieger, der doch vor echtem Widerstand zurückzuckt und stattdessen Strassentheater veranstaltet?
    Deine Meinung und Ansicht mag für dich so richtig sein, eine Beurteilung der Menschen im Widerstand per se steht dir nicht zu und dein Kamm ist grob und gross.
    Hirnfickerei.

    Mit liebem Gruss
    Christian

  2. Avatar von Horst Mader

    Christian, ausgerechnet bei einem Punkt gebe ich dir sogar recht: Widerstand muss nicht immer auf der Straße stattfinden. Er kann im Alltag stattfinden, durch Verweigerung, durch Gespräche, durch das eigene Verhalten und dadurch, dass jemand für seine Überzeugung auch dann einsteht, wenn es unbequem wird. Das habe ich in dem Text damals vielleicht tatsächlich zu grob über einen Kamm geschoren.

    Aber genau da hört meine Zustimmung auch schon auf.

    Denn „im Stillen vorleben“ ist ein schöner Satz. Nur kann man damit irgendwann auch jede Form von Untätigkeit zum Widerstand erklären. Ein paar Beiträge teilen, unter Gleichgesinnten diskutieren, wissen, dass „etwas schiefläuft“, und ansonsten darauf vertrauen, dass dieses stille Vorleben irgendwann irgendwie gesellschaftliche Wirkung entfaltet – genau diese Selbstberuhigung meinte ich mit meinem Text.

    Und ja, der Text ist zugespitzt. Sollte er auch sein. Er entstand aus Erfahrungen mit Menschen und Gruppen, nicht am Schreibtisch aus irgendeiner Theorie.

    Nach zwei weiteren Monaten würde ich manches differenzierter schreiben. Den Kern nehme ich trotzdem nicht zurück: Eine Szene, die seit Jahren hervorragend analysiert, informiert, kommentiert und sich gegenseitig bestätigt, aber kaum dauerhafte Strukturen auf die Beine bekommt, muss sich irgendwann die Frage gefallen lassen, warum das so ist.

    Was mich allerdings etwas amüsiert: Du erklärst mir zunächst, eine Beurteilung „der Menschen im Widerstand“ stehe mir nicht zu, um mich zwei Sätze später zum „Widerstandsüberflieger“ zu erklären, der vor „echtem Widerstand“ zurückzucke und nur „Straßentheater“ veranstalte. Mein Kamm ist dir zu grob – deiner offenbar nicht.

    Und wer ich meine zu sein?

    Niemand Besonderes. Einer, der irgendwann keine Lust mehr hatte, nur darüber zu reden, was alles falsch läuft, und deshalb versucht hat, vor Ort etwas auf die Beine zu stellen. Mit Erfolgen, Fehlern, Enttäuschungen und einigen ziemlich lehrreichen Erfahrungen.

    Man kann Mahnwachen und Aktionen gerne „Straßentheater“ nennen. Kein Problem. Wenigstens fand das Theater außerhalb des Wohnzimmers statt.

    Und vielleicht ist genau das die Frage, über die man vernünftig diskutieren könnte:

    Woran erkennen wir eigentlich, dass unser „Widerstand“ außerhalb unserer eigenen Szene irgendeine Wirkung entfaltet? Tut er das?

    Darum ging es mir damals. Und darum geht es mir heute noch. Und jetzt bin ich eh draußen aus diesem „Straßentheater“, zumindest vorläufig.

    Lieben Gruß
    Horst

  3. Avatar von Horst Mader

    Christian, ich möchte noch etwas ergänzen, und zwar ausdrücklich selbstkritisch.

    Denn natürlich kann man mir nach meinem Text heute eine ziemlich unangenehme Gegenfrage stellen: Ich habe Aktionen organisiert, versucht, Gruppen und Strukturen aufzubauen, Mahnwachen mitgemacht – und inzwischen bin ich selbst zumindest vorläufig aus diesem „Straßentheater“ ausgestiegen.

    Also: Was unterscheidet meinen Rückzug eigentlich von dem Rückzug derjenigen, die ich damals kritisiert habe?

    Die Frage ist berechtigt.

    Und vielleicht würde ich meinen Text heute genau deshalb an einer entscheidenden Stelle anders schreiben. „Die Leute sind einfach zu bequem“ greift mir inzwischen zu kurz.

    Ich habe in den vergangenen Monaten praktisch erlebt, wie schwierig es ist, aus gemeinsamem Unbehagen, ähnlichen politischen Ansichten und dem Wunsch, „etwas zu tun“, tatsächlich eine belastbare Struktur zu bauen. Solange man sich über das große Ganze einig ist, funktioniert vieles wunderbar. Interessant wird es erst, wenn es konkret wird: Wer übernimmt Verantwortung? Wer macht regelmäßig etwas? Wer hält eine Entscheidung aus, die nicht seiner eigenen Vorstellung entspricht? Wer bleibt dabei, wenn es keinen schnellen Erfolg gibt? Und wer kann persönliche Befindlichkeiten auch einmal hinter die gemeinsame Sache stellen?

    Da habe ich selbst einiges gelernt. Auch über meine eigenen Fehler.

    Ich würde heute deshalb nicht mehr so pauschal sagen: Die meisten wollen nichts tun.

    Viele wollen durchaus etwas tun.

    Aber häufig nur, solange Form, Zeitpunkt, Risiko, Mitstreiter und persönliche Befindlichkeiten einigermaßen zu ihnen passen. Sobald es unbequem wird, Konflikte entstehen, Verbindlichkeit gefragt ist oder die eigene Vorstellung nicht eins zu eins umgesetzt wird, wird es schwierig.

    Und da nehme ich mich ausdrücklich nicht vollkommen aus.

    Auch ich habe irgendwann entschieden, dass ich unter bestimmten Bedingungen nicht mehr weitermachen möchte. Das kann man kritisieren. Nur wäre es ziemlich billig, bei anderen jeden Rückzug als Bequemlichkeit zu bezeichnen und meinen eigenen anschließend zur prinzipienfesten Entscheidung zu verklären.

    Vielleicht liegt genau dort ein Teil des Problems, den ich damals noch nicht deutlich genug gesehen habe:

    Menschen zu finden, die unzufrieden sind, ist leicht. Menschen zu finden, die etwas verändern wollen, ist schon schwieriger. Aber Menschen zu finden, die dauerhaft gemeinsam handeln können, obwohl sie verschieden sind, sich gelegentlich auf die Nerven gehen und nicht immer ihren Willen bekommen – das ist verdammt schwer.

    Und aus genau diesem Grund würde ich meinen alten Text heute differenzierter schreiben.

    Seine Grundfrage bleibt für mich trotzdem bestehen:

    Wenn wir seit Jahren von Widerstand, Aufklärung und Veränderung sprechen – was haben wir eigentlich aufgebaut, das auch dann noch funktioniert, wenn einzelne Personen gehen, Streit entsteht oder die erste Begeisterung vorbei ist?

    Vielleicht ist das sogar die interessantere Frage als die, ob „der Widerstand“ gescheitert ist.

    Denn möglicherweise ist er gar nicht gescheitert.

    Vielleicht hat er es vielerorts nur nie geschafft, aus einer gemeinsamen Haltung eine dauerhaft handlungsfähige Struktur zu machen.

    Und ja: An dieser Erfahrung habe auch ich meinen Anteil.

    1. Avatar von Christian
      Christian

      Lieber Horst,
      danke für die Reflektion, sehr reif.
      Ich denke, dass unsere Erwartungen zu weit auseina der liegen. Du möchtest gerne einen selbstbestimmten Widerstand sehen, der sich in Aktiinen ausdrückt, im Handeln, im Tun. Das ist für viele im Rad sehr schwer umzusetzen und deren Bereitschaft, dem System noch mehr Energie zu schenken, nachdem sie schon den Tag im Rad zzr Sicherung ihrer Existenz verbracht haben, tendiert gegen Null. Das ist menschlich, nicht verachtenswert, wie dein Text es suggeriert. Und ich sags jetzt auch mit Kamm, man sollte nicht unterschätzen, wieviel der Widerständler im Aussen erreucht durch ein „Nein“, durch ein paar klare Worte zu Tabuthemen, durch auch durchaus offenes diskutieren im kleinen Kreis, der wiederum Zweifek sät bei anderen, die gute Gedanken auchbwieder weitertragen und dass immer mehr Menschen aufwachen, ist auch uns zu verdanken.
      Ich verstehe deinen Frust, weil es anders läuft, als deine Erwartung es will, abee es liegt an dir, nicht an der „Unfähigkeit“ der anderen. Verzeihe uns.

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