
Die Welt verändert sich. Die einst dominierende Weltmacht der Vereinigten Staaten gerät ins Wanken, ausgehöhlt durch Korruption, überstrapaziert durch Hybris, zerfressen von den Krebsgeschwüren Hass, Nationalismus und Gier.
Selbst nach Angaben ihrer eigenen Propagandamedien sei Amerika »zum Bösewicht geworden«, sei »offiziell ein Imperium im Niedergang«, dessen »letzten Akt« wir gerade erlebten.
Während wir auf den unvermeidlichen Untergang des Titanen warten, denkt die Welt über die Zukunft nach. Alle sprechen von der sich am Horizont abzeichnenden »multipolaren Weltordnung«.
Von der »Pax Americana zur Pax Multipolaris«.
Diese »multipolare Welt« ist schon seit langem ein politisches Thema. In den letzten Jahren hat sie jedoch an Dynamik gewonnen und sich seit Beginn von Donald Trumps zweiter Amtszeit spürbar beschleunigt.
Der russische Präsident Wladimir Putin fordert diese multipolare Ordnung schon seit Jahren und tat dies letzte Woche erneut. Chinas Xi Jinping tut regelmäßig dasselbe, zuletzt während seiner Reise nach Südamerika im Februar. Nordkoreas Kim Jong‐il schloss sich diesen Äußerungen im April an.
Xi und Putin unterzeichneten heute Vormittag [20. Mai] eine gemeinsame Erklärung zum »Aufbau einer multipolaren Welt«.
Vor zwei Wochen forderte der ehemalige deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz in einer Rede an der Kennedy School of Government der Harvard University eine »postimperiale Welt [und] eine widerstandsfähige, regelbasierte Ordnung in einer neuen Ära der Multipolarität«.
Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez forderte in einer Rede während seiner China‐Reise im vergangenen Monat, »eine multipolare Weltordnung anzunehmen«:
»Was heute geschieht, ist kein Wechsel der Hegemonie, sondern eine Zunahme der Multipolarität – sowohl in Bezug auf Macht als auch auf Wohlstand.«
Abgesehen von den Reden der Politiker ist die multipolare Weltordnung auch im Kreis der internationalen Thinktanks in den Mittelpunkt gerückt…



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