29.Mai 2026
Fatih Alasalvaroglu auf Facebook
Paradoxerweise erscheint der moderne Kommunismus längst nicht mehr als Gegenentwurf zum Kapital, sondern vielerorts als dessen nützlichster Deckmantel. Während idealistische „Aktivist*Innen“ (Neusprech für Terroristen der Transformation) von Gleichheit, Gerechtigkeit und der Überwindung von Machtstrukturen träumen, nutzen weit mächtigere Akteure genau diese Sehnsüchte, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Und das mit einer perfiden Dreistigkeit, die ihresgleichen sucht! Der fundamentale Irrtum des Kommunisten besteht darin, die Natur des Menschen zu verkennen. Er glaubt an die Möglichkeit einer von Machtstreben, Eigennutz und Herrschaftsdrang befreiten Gesellschaft, obwohl die Geschichte in nahezu JEDEM Zeitalter exakt das Gegenteil belegt. Wo Menschen sind, sind auch Ambitionen, Versuchungen und der Wille zur Dominanz. Gerade deshalb werden die überzeugtesten Verfechter utopischer Gleichheitsversprechen nicht selten zu den ahnungslosen Helfern jener Kräfte, die sie eigentlich bekämpfen wollen. In ihrem Eifer, bestehende Ordnungen einzureißen, ebnen sie oftmals den Weg für neue Formen der Kontrolle. Die größte Tragik dabei: Ausgerechnet jene, die sich selbst als Antifaschisten verstehen, fungieren nicht selten als die wirksamsten Wegbereiter eines totalitären Denkens. Denn wo Abweichung geächtet, Kritik moralisch delegitimiert und Konformität zur höchsten Tugend erhoben wird, beginnt nicht Freiheit, sondern die Vorstufe jeder autoritären Ordnung. Diesmal, die Endstufe des Faschismus: der Totalitarismus.
Der stärkste Gedanke im Text ist eigentlich nicht der Kommunismus-Vorwurf, sondern etwas anderes:
Jede Ideologie, die glaubt, den Menschen moralisch vollkommen machen zu können, endet früher oder später bei Kontrolle, Zwang und Ausgrenzung.
Das lässt sich auf linke, rechte, religiöse und technokratische Bewegungen gleichermaßen anwenden.
Wenn ich den Kern des Beitrags in einem Satz zusammenfassen müsste:
„Das eigentliche Risiko entsteht nicht durch eine bestimmte Ideologie, sondern durch Menschen, die überzeugt sind, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein und deshalb abweichende Meinungen nicht mehr als legitim betrachten.“
Dort beginnt tatsächlich der Weg in autoritäre Strukturen. Nicht zwangsläufig in den Totalitarismus, aber oft in dessen Richtung. Die Geschichte des 20. Jahrhunderts war leider großzügig genug, dieses Experiment mehrfach vorzuführen.
Das ist tatsächlich einer der großen Widersprüche des Menschen. Wir bestehen aus Atomen, die in längst erloschenen Sternen entstanden sind. Das Eisen in unserem Blut, das Kalzium in unseren Knochen, der Sauerstoff, den wir atmen, wurden über Milliarden Jahre in kosmischen Prozessen erzeugt. Wir sind buchstäblich Materie, die angefangen hat, über sich selbst nachzudenken. Ein ziemlich erstaunlicher Vorgang, wenn man es nüchtern betrachtet. Und trotzdem verbringen wir einen erheblichen Teil unserer Zeit damit, uns für wichtiger zu halten als andere Menschen, uns über politische Lager, Nationen, Hautfarben, Berufe oder soziale Statussymbole zu definieren. Der Kosmos misst dem vermutlich ungefähr dieselbe Bedeutung bei wie einem Staubkorn, das sich mit einem anderen Staubkorn streitet. Andererseits gehört diese Überheblichkeit vermutlich auch zu unserem evolutionären Gepäck.
Eine Spezies, die sich ständig ihrer eigenen Winzigkeit bewusst wäre, hätte womöglich keine Kathedralen gebaut, keine Ozeane überquert, keine Maschinen konstruiert und keine Raumsonden ins All geschickt. Ein gewisses Maß an Selbstüberschätzung scheint zum menschlichen Betriebssystem zu gehören. Das Problem beginnt dort, wo Selbstvertrauen in Hybris umschlägt. Wenn wir nicht mehr sagen: „Ich könnte recht haben“, sondern: „Ich muss recht haben.“ Wenn aus Überzeugungen Glaubenssätze werden und aus Glaubenssätzen Identität. Dann wird jede Kritik zur persönlichen Bedrohung.
Je mehr wir uns mit Astronomie beschäftigen, desto seltsamer wirken viele unserer Grabenkämpfe. Da kreisen wir auf einem kleinen Felsen am Rand einer durchschnittlichen Galaxie durch die Dunkelheit des Universums, wissen weder, was vor dem Urknall war, noch was Dunkle Materie wirklich ist, noch ob wir allein sind. Und genau wir erklären mit bemerkenswerter Sicherheit unseren Mitmenschen, sie hätten die Wirklichkeit nicht verstanden. Das hat etwas Tragikomisches. Vielleicht ist Demut deshalb keine Schwäche, sondern eine Form von Realismus. Wenn wir begreifen, wie wenig wir tatsächlich wissen, werden wir vorsichtiger mit großen Gewissheiten. Nicht passiv. Nicht orientierungslos. Aber etwas weniger arrogant.
Für eine Spezies aus Sternenstaub wäre das vermutlich kein schlechter Anfang. Und vielleicht beginnt genau dort auch wahre Spiritualität. Nicht in großen Behauptungen, nicht in Selbstüberhöhung und nicht im Anspruch, die letzten Antworten zu besitzen. Sondern in der Demut vor dem Unbegreiflichen, in der Dankbarkeit für das Leben und in dem stillen Staunen darüber, dass das Universum für einen kurzen Augenblick durch unsere Augen auf sich selbst blickt.
Wir sind nicht die Krone der Schöpfung. Wir sind Teil eines unfassbar großen Ganzen, das wir bis heute kaum verstehen. Und je mehr wir darüber lernen, desto weniger Grund haben wir für Arroganz und desto mehr Anlass für Ehrfurcht. Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem Wissen und Spiritualität aufhören, Gegensätze zu sein. Dort, wo Demut beginnt und Dankbarkeit für das bloße Wunder unserer Existenz entsteht.
Die gefährlichsten Menschen waren selten diejenigen, die an etwas glaubten. Es waren oft jene, die glaubten, nicht mehr irren zu können.



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